Trauerarbeit und Zukunftspläne

Heute ist wieder Samstag – 4 Wochen ohne Matthis. Mittlerweile sind es schon 28 Tage, genauer gesagt 672 Stunden, die wir unseren kleinen Schatz so sehr vermissen! ❤ Und doch so sehr lieb haben!DSC_0080

Ich schwanke immer noch zwischen Phasen mit Traurigkeit und Verzweiflung, Phasen der Normalität und Phasen der Zukunftsplanung. Und alles fühlt sich komisch an, und nie geht alles gleichzeitig. Gleichzeitig geht nur: Trauer und Glück direkt beieinander, wir sind traurig das wir Matthis verloren haben und gleichzeitig glücklich das wir ihn haben durften.

Der Begriff Trauer bezeichnet eine durch ein betrübendes Ereignis verursachte Gemütsstimmung, etwa durch den Verlust nahestehender Personen (Matthis <3), durch die Erinnerung an solche Verluste. Das Trauern kann auf Grund der zuvor genannten Ursachen auch ein Überwinden von Leid und Schmerz bedeuten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Trauer zu verarbeiten. Es gibt sogar z.B. Einteilung in Phasen des Trauerprozesses nach  Yorick Spiegel (Schock, Kontrolle, Regression, Anpassung). Und natürlich geht auch jeder unterschiedlich damit um Trauer zu verarbeiten, vielleicht zu überwinden.

In Bezug auf Matthis weiß ich jetzt schon das die Trauer um ihn immer da sein wird. Nie so heftig wie am Anfang, aber doch immer mal wieder mit voller Wucht, oft aber auch einfach leise und fast unsichtbar im Hintergrund, jedoch immer und ewig in unserem Leben.
DSC_0082Den Schock hatte ich relativ schnell überwunden, nach 2 Tagen war es vorbei mit der Schockstarre und man versuchte die Kontrolle über sein Leben zurückzugewinnen. Immerhin musste die Beerdigung organisiert werden, man möchte seinen Mitmenschen nicht selbst noch Sorgen machen usw. Allerdings nimmt man in diesem Fall auch irgendwie nicht am realen Leben teil, man sitzt in seiner Käseglocke zu Hause und existiert so vor sich hin, während das normale Leben, die Realtität in einer gewissen Distanz an einem vorüber zieht und man selber schaut nur zu. Die eigene Zeit läuft auch ganz anders als normalerweise.

Momentan versuche ich einen Weg zurück ins normale Leben zu finden bzw. einen gewissen Grad an Normalität zurückzugewinnen.
Wir gehen täglich zum Garten vom Matthis (sein Grab). Ich habe einige Mädels in einer sehr netten Whatsapp-Gruppe kennengelernt und der Austausch und einfach nur das Reden mit lieben Menschen denen das gleiche widerfahren ist hilft unheimlich. Ich schaue mir ganz oft Bilder von Matthis an.
Jeden Samstag Abend gehen wir in sein Zimmer und nehmen uns Zeit nur für ihn, schauen uns die ganzen Trauerkarten auf dem Wickeltisch an, zünden seine Kerze an, lassen die Spieluhr laufen. Hier steht nun auch eine Leinwand mit einem Bild von ihm, tatsächlich in Lebensgröße (ich hatte nicht darauf geachtet als ich sie bestellt habe). Sein „M“ liegt auch da und das Engelchen das wir bekommen haben. Wir haben uns auch vorgenommen das jetzt immer samstags zu machen. Dann sind wir zu dritt ganz nah beieinander, unsere kleine Familie – im Geiste vereint. Und dann ist Matthis ganz nah, fast greifbar.

An dieser Stelle übrigens vielen lieben Dank an alle die an uns gedacht haben, an alle die uns online geschrieben haben, alle lieben Kartenschreiber und Geldspender, danke für die Segenswünsche und kleinen Geschenke – an alle die in der Zeit der absoluten Dunkelheit Licht in unser Leben gebracht und uns damit so geholfen haben!
Jede Karte, jeder Kommentar (seis in einem Forum oder hier im Blog oder bei FB oder bei Instagram), der uns erreichte, hat uns tief berührt und bewegt.

D

A

N

K

E

für ein stilles Gebet,

für das tröstende Wort, gesprochen oder geschrieben

für einen Händedruck, wenn die Worte fehlten

für jede Umarmung

für die Zeichen der Liebe und Freundschaft

für die Blumen und Geldspenden

für das ehrende Geleit.

Eine der Karten (von Nadine <3) habe ich oben mit Matthis Spieluhr fotografiert. Jede Karte kommt bald in ein eigenes dafür gedachtes Fotoalbum. Wir werden sie in Ehren halten! DSC_0081

Außerdem kamen auch total liebe Sachen wie z.B. die beiden Stoffengelchen (der große Eltern-Engel ist oben neben der Leinwand auf dem Foto zu sehen) oder das Buch von der lieben Mareike! ❤

Besonders berührt hat mich u.a. die Sprechstundenhilfe aus der heimischen Hausarztpraxis. Sie sah mich und meinem Mann spazierengehen, hielt mit ihrem Auto, stieg aus und kam zu uns um uns kurz in den Arm zu nehmen. Sie hat die Situation dann auch kurz und knapp formuliert: „Scheiße!“ – passender geht es nicht.

Neben all diesen Dingen die mich beschäftigen und bewegen müssen wir nach vorne blicken. Wir müssen! Und wir werden. Genauso wie wir zurückblicken, uns an Matthis Geburt erinnern, an die Zeit mit ihm. Genauso wie wir in jedem Regentropfen und jedem Sonnenstrahl ein bißchen Matthis sehen, mit dem Gedanken und der Erinnerung an Vergangenes im Herzen schauen wir nach vorne, genauso wie wir zurückblicken.

Neben Plänen für das Geschwisterkind steht nun auch wieder eine Orientierung im Berufsleben an. Mit Freizeitgestaltung und Plänen fürs nächste Jahr gestalte ich eine Zukunft für uns, mit und ohne Matthis ❤

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Ein Gedanke zu „Trauerarbeit und Zukunftspläne

  1. Bin auf eure Tragödie im wunschkinder Forum gestoßen . Sprachlos! Habe tiefen Respekt vor deiner Stärke die du uns und mir, durch deine Zeilen , zeigst. der Schmerz wird nie vergehen aber du wirst stärker und kannst damit umgehen. Ich wünsche mir für dich,, dass ihr mit einem erdenkind belohnt werdet!

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