Die Stille

So still, obwohl ich dich mit jedem Tag vermiss
und wo immer du auch gerade bist,
du zeigst mir, das Stille jetzt dein Freund geworden ist.

Still – Jupiter Jones

Früher lief bei mir oft das Radio. Oder der Fernseher. Oder das Gedudel DSC_0096vom Computer. Irgendwas war immer zu hören.
Das war genauso normal wie der Schrei eines Babys das auf die Welt kommt.

Doch nichts ist schlimmer als die Stille. Wenn das Baby da ist, auf das man so so so lange gewartet hat, und dann ist Stille. Nichts.
Mittlerweile ist es oft still in unserer Wohnung. Kein Radio, kein TV, kein PC. Nur das Ticken der Uhr. Der eigene Herzschlag.

Nichts ist besser als die Stille. Die Stille schärft das Bewusstsein für das Wesentliche. Man kann in den Himmel hinein hören, die kleine Seele spüren die uns nur so kurz berührte.

7 Wochen ohne Matthis. 7 Wochen Leben mit der Stille, wo doch Babygeschrei sein sollte.
Das Lied „Still“ von Jupiter Jones passt da einfach perfekt (daher auch das Zitat).

Ich suche immer noch nach den Glücksmomenten.

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Einer war, endlich einen schönen Bilderrahmen bestücken zu können. Der Moment, wenn der Postbote klingelt und dir ein kleines Päckchen gibt: 110 Fotos nur von Matthis ❤

DSC_0086Überhaupt ist der Postbote oft ein „Glücks“-Bringer. Vor einigen Tagen erreichte mich ein ganz rührender Brief von unserer Freundin Anna. Wir haben ihn gelesen und beide geweint, einfach weil er so sehr von Herzen kam.

Außerdem war ein kleines Bild darin. Von Matthis. Ein gemaltes Bild von unserem kleinen Schatz. Es ist einfach so wundervoll, wir sind total glücklich und unglaublich berührt über diese Geste, die mehr sagt als 1000 Worte.
Und so können wir auch gar nicht richtig in Worte fassen wie sehr wir uns freuen. Ganz viel Liebe und so! ❤

Einen Tag zuvor drückte mir der Glücksbote ein kleines Päckchen in die Hand. Nanu, ich hatte doch gar nichts bestellt?DSC_0090 Ah, den Absender kenne ich. Da schaue ich also rein und finde lauter schöne selbstgemachte Dinge von der lieben Sylvia:
Ein Glas, wo Matthis drauf graviert wurde, in einem Herz aus Sternen. Oh *_*
Ein Bilderrahmen (der jetzt Annas Zeichnung sichert 🙂 ), selbst verziert.
Einen Engelsanhänger, der sogar im dunklen leuchtet. Eigentlich wollten wir den ans Grab bringen, doch irgendwie haben wir Angst das er verloren geht. Vorerst bleibt er also bei Matthis im Kinderzimmer und wird dort in seiner Gedenkecke aufgehängt.
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Schöne Dinge, die von Herzen kommen – und zu Herzen gehen. Vielen vielen Dank!


In der letzten Woche ist zusätzlich noch einiges passiert. Unglaublich wie die Zeit verfliegt.

Zunächst waren wir bei Matthis Großeltern in Süddeutschland. Wir haben für jeden die Zeitung mit seiner Todesanzeige mitgenommen und einige Bilder. Ich hatte außerdem unseren Erinnerungs-Strampler dabei, die Trauerkarten, mein Fotobuch. Annas Bild und Sylvias Anhänger. Und viele Erinnerungen.
Es war schön sich auszutauschen, von Matthis zu erzählen sofern es jemand hören wollte. Für Matthis Grabe haben wir auch ein paar Dinge wieder mit heim genommen. Ich bin mal wieder um ein paar Erfahrungen reicher.

Dann haben wir Matthis kleinen Garten ein bißchen überarbeitet. DSC_0098Mittlerweile war durch den Regen die Erde etwas nachgesackt, die wir neu verteilen mussten. Außerdem haben wir die Blumenschale von Oma Bille, den Engel von Nonna Maria und die Engelstafel von Doreen und Martin mit aufgestellt.
Die 3 Fröbelsterne von Susanne, selbstgemacht, aus Papier, waren mittlerweile etwas mitgenommen, daher haben wir sie sichergestellt und zum Trocknen mit nach Hause genommen. Heute sehe ich in der Blumenschale meiner Eltern einen neuen Fröbelstern 🙂 Wie lieb, dass sie an unseren Matthis denkt. ❤ DSC_0093Noch bin ich nicht zufrieden und in der Adventszeit kommt noch ein bißchen Weihnachtsstimmung mit aufs Grab, aber es gefällt mir schon besser als vorher. Mehr Licht dürfte aber noch sein, damit Matthis seinen Garten von oben direkt erkennen kann 🙂

Außerdem war nun auch die abschliessende Untersuchung beim Frauenarzt nach Geburt. Ich wollte mich aufgrund meines PCOS ja nun schon wappnen und wissen wie es weiter geht, daher war für mich der Termin nicht ganz unwichtig.


Mir geht gehörig die Pumpe, als ich vor der Praxistür stehe. Ich muss auch gestehen, dass ich etwas Angst vor einem vollen Wartezimmer mit einem Haufen Schwangerer hatte. Schließlich fasse ich mir ein Herz und gehe hinein. Ich gebe mein Versichertenkärtchen, meinen Mutterpass (den ich eigentlich nur aus Gewohnheit dabei hatte, glücklicherweise) und 12€ ab (für den einen Test noch während der Schwangerschaft) und darf direkt weiter ins Wartezimmer. Puh – keine doofen Fragen, keine Schwangeren.  Kurz darauf werde ich wieder raus gerufen. Ich soll ins Labor Urin abgeben und Blut.

Und dann: „Stillen sie?“
Mir fällt alles aus dem Gesicht. Fieberhaft suche ich nach einer Antwort und sage schließlich: „Geht schlecht, ohne Kind“.
Die Dame schaut auf den Mutterpass und schaut mich dann fragend an.
Ich füge hinzu: „Das Kind dazu liegt unter der Erde…“
Totenstille.
Dann ein geflüstertes „Oh, das tut mir leid…“

Ich flüchte zur Toilette für die Urinprobe. Mir ist zum heulen. Haben die nicht in die Akte geschaut? Oder in den Mutterpass?
Im Labor nochmal eine große Entschuldigungsarie, man würde das im Mutterpass nicht erkennen. Hm.. ach so..
Nach endloser Wartezeit sitze ich irgendwann im Besprechungszimmer. Schließlich kommt die Ärztin rein, an ihrem Blick sehe ich das wenigstens sie bescheid weiß und ich nicht nochmal erklären muss. Sie sagt nur das es ihr leid tut, ist dann eine Weile still und fragt mich schließlich ob ich erzählen möchte. Komisch, genau in dem Moment möchte ich nicht. Plötzlich ist Matthis kostbar, zu wertvoll für einen banalen Moment beim Arzt. Ich berichte dennoch, kurz und knapp, von meiner wundervollen Geburt und dem wunderhübschen kleinen Jungen, der nur viel zu kurz da war, weil er entschieden hat zu gehen als er wußte das seiner Mama nichts mehr passieren kann. Sie ist gerührt und sagt das dies das wahre Muttersein ist, ein Kind empfangen, lieben und loslassen können. Ja, ich bin eine Mutter, eine ganz besondere und starke. Klar im Blick, traurig aber positiv. Sie ist beeindruckt. Matthis
Schließlich noch kurz die Routineuntersuchung, Gebärmutter ist im Ausgangszustand, alles hat sich soweit super zurück gebildet (man muss sich das auch mal vor Augen halten, immerhin hätte viel mehr passieren können). Einen Ultraschall macht sie nicht.. schade, denn ich hätte gern gewusst wie meine Eierstöcke so aussehen. Allerdings schreibt sie in ihre Akte „Cervix deutet auf erneute Fruchtbarkeit“ Hu?!  Auf ihre Frage wie es für uns nun weiter geht habe ich nur eine Antwort: „Ein Geschwisterchen!“ Findet sie gut 🙂 Mit voller Engelpower im Rücken sollte das wohl klappen!
Sie hofft, mich auch in der nächsten Schwangerschaft wieder begleiten zu dürfen und sie möchte mich möglichst bald wieder sehen – zum Ausstellen des neuen Mutterpasses. 😉

Draussen hole ich mir noch eine Überweisung für die KiWu-Klinik. Der Termin ist ja auch schon in greifbarer Nähe. Wir plaudern über Krankenkassen und KiWu-Zentren (pro DA, contra WZ). Schließlich kommen die Damen vorne doch nochmal auf das Thema „Totgeburt“ zurück. Nochmals entschuldigen sich alle, wollen von Matthis hören, wie es war, wie er war. Und plötzlich ist er wieder da, der Stolz, der Drang zum Teilen und Zeigen von meinem Schatz. Stolz zeige ich mitgebrachte Fotos herum und alle bestaunen ihn und finden ihn „süß“ und „perfekt“. ❤ Ein richtig fertiges kleines Kind! Eine der Damen erzählt von ihrer besten Freundin, die ein ähnliches Schicksal mit mir teilt.Es scheint wohl normal zu sein, dass sich alle schwer tun mit den Eltern wieder zu reden. 😦
Letztendlich verlasse ich die Praxis mit einem guten Gefühl. Wir sollen es laut Ärztin erstmal so probieren, mein Körper scheint ja schon wieder im fruchtbaren Modus zu sein. Was einmal klappt kann ja auch wieder klappen. Blöd nur das mein PCOS irgendwie gar nicht zur Sprache kam… muss ich dann wohl in der KiWu mal nachhaken.

Zuhause habe ich nochmal in den Mutterpass geschaut. Bei Lebendgeburt hat die Hebamme Nein angekreuzt. Also… hätten die Damen genau schaut dann wäre das sehr wohl aus dem Mutterpass ersichtlich gewesen. Nur so am Rande…


Übrigens – aus reiner Neugier habe ich mal ganz unverbindlich meine Temperatur gemessen. Natürlich nicht nach den strengend NfP Richtlinien, aber ich wollte mal ein bißchen Gefühl für meinen Körper bekommen. Das fehlte all die Jahre ja.
Ich messe also täglich vor mich hin und sehe langsam ein Schema, da geht plötzlich die Temperatur deutlich hoch. Nanu, was stimmt da nicht?!
Ups.. eigentlich stimmt da, ausnahmsweise, tatsächlich alles – hallo Eisprung!!! Ich dachte erst ich spinne, dann hab ich hektisch nach meinen Ovu-Tests gewühlt, die ich noch irgendwo aufgehoben hatte. Tag 1 ergab: Nö, nur leicht LH erhöht, wie oft beim PCOS. Tag 2 ergab: Bingo! 2 fette rote Striche. Na aber Hallo! Matthis was machst du für Sachen, schickst du mir tatsächlich einen ganz unerwarteten Eisprung ❤ Bin mal gespannt ob in 2 Wochen dann pünktlich der rote Drache kommt. Ich hoffe es bleibt ein Weilchen so, ich fände es ja ganz schön wenn sich da mal was eingependelt hätte, nachdem über 7 Jahre nix funktionierte. Und ihr erinnert euch an den Vermerk der Gyn? – Cervix deutet auf erneute Fruchtbarkeit! Ich vermerke es jetzt als einen Glücksmoment 🙂 Mal schauen was der Termin in der KiWu-Klinik dann ergibt.

Lieber Matthis – ich kann es nur immer wieder sagen, so oft wie ich es denke, flüstere und in Gebeten in den Himmel schicken: Wir lieben dich! Wir vermissen dich! Wir werden dich nie vergessen! ❤

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6 Gedanken zu „Die Stille

  1. Ganz viel Liebe und so 😉 Ich freue mich sehr, das ich euch eine kleine Freude machen konnte. Silvias Sachen sind wunderschön (sie hat das mit dem Fimo einfach mal voll drauf) ❤
    Den FB Artikel den du heute geteilt hast, fand ich sehr interessant, vielleicht melde ich mich mal bei der passenden Stelle – ich habe zwar leider keine Erfahrung mit Kinderfotos, aber nachhören kann ja nicht schaden.
    Das Ergebnis beim Frauenarzt klingt ja schon mal vielversprechend! Ich drücke euch natürlich wieder die Däumchen!

  2. Darf ich dich was fragen? Ich schaue mir beim lesen immer mal wieder die Bilder von eurem kleinen Engel an und sehe auf seiner Haut an einigen Stellen diese „Stellen“ x) Was ist das genau?
    Für deinen Eisprung und die kommenden Wochen drücke ich dir ganz fest die Daumen. Wenn es nicht gleich mit einem Geschwisterchen klappt, dann zumindest das dein Zyklus genau so bleibt und dein PCOS zusammen mit meinem in einem laaaaangen Urlaub ist.

    • Durch die Geburt und die Wiederbelebung hat sich an einigen Stellen die obere Haut gelöst, ich denke das meinst du (z.b. dieser „Flügel“ auf der Stirn)
      Ja größte Hoffnung ist, dass das pco einen laaaangen Urlaub macht 💪

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