Auf der Suche

Wie schön einfach war das in der Schwangerschaft mit Matthis. Wir haben kurz überlegt und uns dann ohne weiteres innerhalb von Sekunden auf das Geburtshaus (Storchennest) geeinigt. Danach war eigentlich nur noch wichtig, ob wir dafür (medizinisch) alle Voraussetzungen erfüllen, man will ja nicht aufgrund der rosaroten Brille eine Entscheidung fällen. Aber unser Engel hat uns die Entscheidung einfach gemacht: alle Vorbefunde waren perfekt, die Lage (SL) war prima, alles lief von allein. Die Geburt dann ja auch…

Natürlich war uns klar, dass die Folgeschwangerschaft nicht mehr ganz so einfach wird. Wir haben uns ja nun schon damit abgefunden das wir „anders“ und „unnormal“ sind, sei es bei Trauerarbeit oder Geburtsvorbereitung. Wir sind uns im klaren, dass die meisten, die uns kennen (lernen) mit etwas anderem rechnen, das wir „schwierig“ sind weil wir „anders“ sind und es für uns kein Lehrbuch gibt.

Jetzt ist es so, dass mein Mann und ich uns auch diesmal von vorne herein einig waren: Wenn nichts dagegen spricht – Geburtshaus.
Von Anfang an haben wir das auch so an alle Beteiligen weiter gegeben, es schien nie ein Problem zu geben. Bis auf einmal bei dem Termin, von dem ich berichtet habe. Plötzlich steht man da und weiß nicht was tun.

Erstmal kamen Tränen. Tränen der Enttäuschung, Tränen der Wut.
Dann die Überlegung – was machen wir jetzt? Welche Kompromiss-Lösung kommt überhaupt in Frage?

Und prompt stehe ich wieder vor dem Problem… wie formuliere ich das Problem, damit es auch verstanden wird. Das ist nämlich gar nicht so einfach.
Ich habe eine recht klare Vorstellung davon, wie ich entbinden möchte:

  • familiäre Atmosphäre, dazu gehört u.a. keine sterile OP-Optik, sondern eben einfach ein gemütliches Umfeld wo ich mich auf die Geburt einlassen kann
  • hebammengeleitet, ohne Personalwechsel – optimalerweise 1-2 Hebammen, die während der gesamten Geburt an meiner Seite sind und die ich auch vorher schon kenne / möglichst ohne Arztinterventionen
  • keinen automatischen Zugang, außer es wäre medizinisch notwendig
    dazu auch keine Medikamentengabe, außer es ist unumgänglich (und wirtschaftliche Gründe sind für mich keine „zwingende Notwendigkeit“, das müssen schon medizinische sein)
  • keine Interventionen, außer es geht wirklich gar nicht mehr anders (keine PDA, außer ich möchte das)
  • freie Wahl der Geburtsposition
  • am besten ambulante Geburt, wenn dies nicht geht (z.B. Kaiserschnitt) dann zwingend Familienzimmer
  • kein Dauer-CTG, sondern nur Kontrollmessungen in regelmäßigem Abstand

Letztendlich kommt noch meine sehr große Abneigung gegen Krankenhäuser hinzu. Und der nicht ganz so unbedeutende Wunsch, zwischen den Geschwistern eine Verbindung zu schaffen indem sie am gleichen Ort zur Welt kommen.

Nun ja. Krankenhaus wird für mich NIE der Ort sein wo ich ein Kind kriegen will, lediglich der Ort wo ich ein Kind kriegen muss.
Die Gründe, die man mir dafür nennt sind „schnelle Intervention im Notfall“ oder „dein Sohn hätte es bestimmt geschafft wenn du im Krankenhaus entbunden hättest“ (guter Witz!) oder „ein Krankenhaus ist doch viel sicherer“. Es ist aber einfach nicht meins und ich möchte einfach das man das auch so akzeptieren kann. Ich rede anderen Schwangeren ja nicht schlecht in einem KH zu entbinden. Denn – ja, es gibt viele Frauen die ein KH für sich als absolute Sicherheit empfinden. Frauen mit Wunschkaiserschnitt. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe dafür, aber auch dagegen. Es gibt eben immer nur eine subjektive Sicht der Geburt.. für einige ist die Geburt oder der Ort auch Nebensache, hauptsache das Kind ist endlich da.
Vieles davon ist für mich/uns eben einfach anders. Aber sobald ich mich diesbezüglich äußere bin ich ja naiv, blauäuig, egoistisch, will am Ende gar kein lebendes Kind usw. Leider weiß ich wie wichtig eine gute Geburtserfahrung sein kann, schließlich kann ich mir nie sicher sein am Ende auch mit Kind wieder nach Hause zu kommen. Ich möchte vorher alles so gemacht haben, das ich mit mir im Reinen bin. Bloß… ein Krankenhaus gehört da nicht dazu.

Nun ist es so, dass wir zwar im Geburtshaus entbinden könnten, aber.. ja dieses Aber, das sich für mich quasi wie ein Rausschmiss anfühlte und die Vertrauensbasis ehrlicherweise etwas angeknackst hat, bietet mir keine Sicherheit mehr. Also was tun?
Da es bis zum angepeilten Termin zur Einleitung (38+0) ja nicht mehr so wirklich lang hin ist (keine 10 Wochen mehr, huch!) müssen wir diesbezüglich voran kommen. Die Chef-Hebamme S. möchte ja auch eine Entscheidung. Und wie soll man entscheiden, wenn man den Kreißsaal, der es vllt werden könnte, bisher nur mal kurz gesehen hat?

Hebamme V. empfahl mir, in der Uniklinik mal anzurufen und zu fragen ob wir uns das mal anschauen dürfen. Durch Schichtdienst und Co fielen die offiziellen Info-Termine nämlich dummerweise raus. Nach mehrmaligen Anruf-Versuchen hatten wir an einem Sonntag schließlich Glück, die Hebamme am Telefon klang nett und meinte wir dürften gerne kommen, uns den Kreißsaal mal ansehen und Fragen stellen. Gesagt, getan – Sachen geschnappt und los.

Den Empfang und ein Untersuchungszimmer kannte ich schon. Wir sollten noch kurz warten, dann führte uns die Hebamme in ein freies Entbindungszimmer, sprich dem „Kreißsaal“, mit den Worten „natürlich mit dem Wichtigsten – CTG und Kreißbett“… uhaaa =/
Mein erster Eindruck: „Ohaaa? Wie scheisse ist das denn???“ Ich war, ernsthaft, schwer geschockt. Wenn etwas alle meine negativen Befürchtungen auf einen Schlag erfüllt hat dann dieser Kreißsaal! Ich hab dann erfolgreich meinen Fluchtreflex unterdrückt und tapfer gelächelt, obwohl mir eher zum heulen war.
Kurz gesagt: orange-hellblaue „Küchenzeile“, vermutlich Wickelplatz und Co für die U1. Optisch eine 6 Setzen. Man kennt ja die modernen Kreißbetten aus den Medien, damit hatte das vorhandene wenig zu tun. Niemand hat da auch nur ansatzweise versucht mit der Gestaltung eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, alles schreit nach 70er Jahre Charme. Ich meine, man könnte einfach ein farblich ansprechendes Laken, ein paar nette Vorhänge und dezente Beleuchtung nutzen, aber das ist jedenfalls nicht zu finden. Okay – Atmosphäre und Umfeld passt also schon mal nicht.
Ich hab gedanklich schon verzweifelt überlegt wo ich denn dann in angenehmer Weise meinen gewünschten Vierfüßlerstand einnehmen kann, nix in dem Raum hatte die passende Höhe oder war geeignet für das was ich mir so vorstelle. Es gab auch sonst weiter nix außer eine Strickleiter die von der Decke baumelte… ich gehe einfach davon aus, dass man im Fall der Fälle dann eine Lösung für mich findet… ich möchte den Leuten dort nicht unbedingt totale Unfähigkeit unterstellen. Und Gymnastikball und Co war auch nur vor dem Entbindungszimmer, ich denke das räumt man dann bei Bedarf hin.
Wir waren dann ganz mutig und haben doch unsere Fragen gestellt. Wird denn immer ein Zugang gelegt? – Ja, das ist Standard. Die Hebamme meinte sie wisse nur von einer einzigen Geburt wo man das erst nach der Entbindung gemacht hätte. Aus wirtschaftlichen Gründen würde man nach der Geburt ja jeder Frau 2-3x Oxitocin spritzen wegen der Nachgeburt, da wäre der Zugang schon wichtig. Na toll… Horror! Ich weiß das das durchaus sinnvoll sein kann, aber ich kenne mich, ich weiß wie ich reagiere und fühle wenn man mir einen Zugang legt… und Dreifüßlerstand ist keine Option. *schulterzuck*
CTG, wird das dauerhaft geschrieben? Während der Einleitung nicht, da bräuchte man ja auch Vorlaufzeit usw. Und es käme auf die Einleitung an, ob mit Tampon, Gel oder Tropf. Bei letzterem wird es wohl überwacht. Unter der Geburt ist CTG eigentlich standardmäßig und dauerhaft dran. Na toll… Horror – die Zweite! Je nach Situation sicherlich zu akzeptieren, aber nicht grundsätzlich.
Hebammengeleitete Geburt.. naja… nee währendessen ist eigentlich fast immer eine Hebammenschülerin mit dabei, kurz bevor das Kind kommt kommt dann der Arzt und wohl auch ne Hebamme falls verfügbar. 1-2 Hebammen während der kompletten Geburt – wo gibt es das denn heute noch? Ehm…
PDA möchte ich nicht. Echt jetzt? Kaum noch jemand entbindet doch heute ohne? Und natürlich sagen total viele Frauen vorher mutig „nee will ich nich“ und jammern dann hinterher doch und wollen. Also eine Geburt ohne PDA wäre ja schon sehr selten… und mit PDA wird natürlich mit CTG überwacht weil es ja eine Betäubung ist… Das heißt nicht das ich PDA grundsätzlich schlecht finde oder generell ablehne. Aber ich bin auch der Typ der beim Zahnarzt alles ohne Betäubung macht weil ich mehr Angst vor der Spritze habe (mein Kreislauf übrigens auch) als vor den Schmerzen beim Bohren. Und eine Spritze in den Rücken… und dann örtliche Betäubung die bei mir selten gut wirkt (Erfahrung beim Zahnarzt, Punktionen, OP an den Zehen und beim Nähen einer Platzwunde an der Stirn..), da verzichte ich eigentlich lieber.
Die Geburtsposition darf ich frei wählen… theoretisch. Praktisch… naja.. muss ich nehmen was grad geht… und wenn der Arzt halt grad gucken will dann wirds eben die Schildkröte auf dem Kreißbett… Na toll… Horror – schon wieder! Rein vom optischen her sind die dort auch auch nicht wirklich darauf eingestellt das jemand einen anderen Weg geht oder gehen will, so kam das bei mir auch an.
Familienzimmer kann man übrigens nicht reservieren, klar kann man das vorher sagen aber wenn die voll sind dann haben wir Pech. Ambulante Geburt geht, theoretisch. Naja die Vorgeschichte usw. Wobei das jetzt kein Weltuntergang wäre.. manches lässt sich halt nicht im Vorfeld organisieren und das hat auch nichts damit zu tun das es sich um ein Krankenhaus handelt.
Einziger Pluspunkt ist, dass ich theoretisch auch in BEL dort natürlich entbinden könnte und ohne Kaiserschnitt, das lässt sich aber der Chefarzt meist nicht nehmen und wenn ich genau einen Arzt dort oben garantiert NICHT sehen will dann DEN!

Da hab ich mir jetzt 2 Wochen lang erfolgreich eingeredet das es sicher alles nur halb so wild ist und es bestimmt Kompromisse gibt wenn wir dort hin gehen… und plötzlich stehe ich da und es ist GENAU so wie in meinen schlimmsten KH-Alpträumen, ein harter Aufprall auf den Boden der Tatsachen.

Ernsthaft?! Wo ist die von allen so hochgelobte familiäre Atmosphäre, die Selbstbestimmung des „Patienten“ die mir immer alle so glaubhaft vermitteln wollen? WO?! Dort jedenfalls nicht. Und ich bin mir sicher – DA werde ich nicht entbinden außer wir haben keine andere Möglichkeit (Notfall). Über vieles könnte ich im Zweifelsfall hinweg sehen, aber Zugang darf ich nicht entscheiden, Oxitocingabe darf ich nicht entscheiden, Geburtsposition im Grunde auch nicht.. das sind schon Sachen wo ich Wert drauf lege und wo ich mich schon im Vorfeld heute übergangen und belächelt fühlte. Klar, sie sagte es so nicht aber da war sowas in ihren Formulierungen, da denkt man die haben dort folgende Einstellung:  „Wenn die Frau mit Wehen kommt lässt die eh alles mit sich machen, die kann ja vorher viel wünschen, letztendlich läuft es nach unseren Regeln“. Das gefällt mir nicht 😦 Das meine Einstellung in manchen Dingen grenzwertig ist und es definitiv in anderen Kliniken auch anders läuft ist mir selbstverständlich klar. Ich bin halt schwierig..


 Anfang Juli startete dann die Woche der Klinik-Infotage… Montag, Dienstag und Donnerstag, dazwischen GVK.
Den Start machte das Evangelische Krankenhaus bei uns in der Stadt. Von der Fahrzeit her gibt sich das nicht viel mit der Uniklinik, 15-20min bei beiden. Beim Reinkommen hat uns der Chef und eine Hebamme persönlich mit Handschlag begrüßt o.O Der Raum war auch ziemlich schnell recht voll. Der Leiter der Gyn-Abteilung hat sich dann erstmal vorgestellt (er erinnert mich ein bißchen an Heinz Ehrhardt, hätte er mit „Noch’n Gedicht“ angefangen wäre ich glaub ich lachend vom Stuhl gekippt xD ) und ein paar Infos „aus dem Bauch heraus“ erzählt. Entbindung bevorzugt erst ab 36+0 (gut damit hab ich gerechnet), sie haben immer eine Hebamme pro Schwangere, dazu dann die Schülerinnen als Unterstützung. Es gab ein paar Infos zum Ablauf, das ambulante Entbindung möglich ist, das sie keine BEL-Entbindung machen weil sie damit keine Erfahrung haben und keine Level 1 Station für die Babys als Backup, verlegt werden Mutter und Kind immer gemeinsam, getrennt wird nicht. Geburtsposition darf man auch frei wählen, ambulante Geburt möglich. Familienzimmer gibt es, normal auch kein Problem aber man kann es halt nicht garantieren. Meist klappt es aber recht gut. Die normalen Zimmer sind eigentlich 3-Bett-Zimmer, werden aber in der Regel nur mit 2 Mamis belegt, außer es ist wirklich mal rappelvoll, aber das kommt selten vor und sollte auch eigentlich nicht sein. Auch die Hebamme hat noch ein paar Sachen erzählt, z.B. zur Schmerzlinderung, Geburtsanleitung usw. Klang zumindest naja, nett.
Anschließend haben wir uns noch den Kreißsaal angeschaut. Im Entbindungsbereich gibt es ein Vorwehenzimmer, wo ich schon meinte ich entbinde dann dort… das wär genau meins… ist aber nur für die Vorwehen, die ich eigentlich nicht im Krankenhaus haben möchte… aber gut ich weiß ja schon das ich diesmal wohl oder übel früher fahren müsste. Kreißsaal.. der mittlere ist eigentlich hübsch, wenn man von der riesigen Schrankfront mal absieht. Sie haben sogar den gleichen Wickeltisch wie im Strochennest dort. Bloß… links und rechts sieht die Geburtswelt nicht ganz so optimal aus. Und die hässlichen Kreißbetten gibt es halt leider auch dort.. damit muss ich mich wohl abfinden, ist schließlich Krankenhaus-Standard.

Trotzdem… nach Infotermin und Führung war mir noch einmal mehr klar wie sehr ich nicht in einem Krankenhaus entbinden mag. Ich.Will.Nicht!! Wenn ich schon durch die Eingangstür das Gebäude betrete muss ich heftig meinen Fluchtreflex unterdrücken. Eigentlich macht das KH dort einen viel besseren Eindruck als die Uni, aber es ist und bleibt immer noch ein Krankenhaus.

Als wir abends heimkamen musste ich noch kochen. Nachdem morgens schon eins meiner geliebten Kaninchen gestorben war und meine rosarote KH-Brille doch nicht gewirkt hat („ach hier hab ich doch schon mal Praktikum gemacht, das ist doch nett hier und die Atmosphäre…“ – gegen die innere Stimme kommt aber auch das nicht an) flogen dann nach einer Weile die Spaghetti durch die Küche, gefolgt von einer knallenden Tür und einer Heulattacke. Scheiß Tag.
Nachts hab ich übrigens geträumt das ich mich, als die Wehen kamen, im Bad eingeschlossen habe und geheult habe das ich nicht ins Krankenhaus will… was einem die Psyche so für Streiche spielt =/ Am nächsten Tag hab ich erstmal meinen Hypnose-Lichtschalter benutzt und Matthis auf Ebene 3 getroffen ❤


Einen Tag darauf war der Infotag in der Uniklinik wo ich auch immer zur Pränataluntersuchung fahre. Die war eigentlich deshalb eine Option, weil sie das gleiche Angebot hat wie die Uniklinik bei uns in der Stadt (Level 1) und von der Fahrtzeit her (25min) auch kein Problem wäre. Außerdem haben die dort schon einen Teil meiner Daten und Vorgeschichte durch die Pränatal.
Die Uniklinik ist halt eine Uniklinik. Mehr muss ich nicht sagen. Wie die Kreißsäle aussehen weiß ich, kann man auf Fotos recht gut einschätzen, die man im Internet vorher einsehen kann. Wie bereits am Tag zuvor wurden alle werdenden Eltern in einem Raum gesammelt und es gab Infos zum KH, quasi wie eine kleine Werbeveranstaltung für ein Unternehmen. Vorher gabs auch ein paar Werbegeschenke (okay das ist nett, Broschüren, eine Tasche von Babyservice usw.). Herr Dr. Oehmke startete seine Powerpoint und stellte uns seinen Geburtshilfebereich vor. Anfahrt, Aufnahme usw. Als er sagte „Wenn sie kommen wird zunächst ein Labor gemacht und ein Zugang gelegt“ war für mich eigentlich schon der Zeitpunkt da wo ich am liebsten aufgestanden und gegangen wäre. Aber gut, ich halte ihm zugute, das sie in der Uni aufgrund ihrer Qualifikation auch die schweren Fälle wie Mehrlinge, Gerinnungspatienten usw. bekommen und es da schon Sinn macht. Er hält seine Abteilung für sehr privilegiert.. keine Ahnung wie oft er das in den 30min gesagt hat. Besonders toll findet er, dass innerhalb von 6min ein ganzes OP-Team auf der Matte steht, ein Punkt der in mir schon wieder den Fluchtimpuls auslöst… wer sich damit brüstet wie schnell der OP bereit ist nutzt diesen auch in meinen Augen vermutlich auch schneller als es nötig wäre. Mein Vertrauen dahingehend ist ehrlicherweise gleich Null. Ich möchte nun mal keine Intervention, erst recht keine nervösen Ärtze die nach 2 Stunden Wehen schon mit den Füßen scharren. Von ambulanter Geburt war nicht die Rede, er hat dafür aber 10min sehr ausführlich die PDA erklärt. Dauer-CTG ist auch Pflicht übrigens. Das wird zentral im Hebammenzimmer überwacht… Familienzimmer geht, das wäre wohl so eine neue Mode, früher wären die Väter ja auch heim gefahren oder gar nicht erst mitgekommen. Nun ja.. ach so und die Geburtsposition darf man eigentlich schon frei wählen, man sollte aber auch auf die Hebammen hören und für Arzt und Geburtshelfer ist das halt blöd zu gucken, da müsse man auch Rücksicht nehmen – eh… nein?!
Er hat dann sehr lange noch über den Ablauf eines Kaiserschnitts doziert und betonte „sobald das Kind auf der Welt ist gehört es ihnen“… im gleichen Satz aber auch, dass es zunächst rausgebracht und untersucht wird, evtl. mit dem Papa, und nach 30min (also nach der OP) hätte man dann auch sein Kind im Arm. Wenn es MEIN Kind ist, dann hat das niemand weg zu bringen, dann will ich das nach der Geburt haben, SOFORT! (außer es ist Gefahr im Verzug). Kurz untersuchen okay, aber dann 30min mit dem Papa in den Kreißsaal schicken.. während ich im OP ausharren muss – nö! Von Bonding im OP hält der gute Mann halt nix…

Kreißsaal vor Ort anschauen ging nicht, da alle belegt waren.. gut in dem Fall kann man auch im Internet gucken. Als wir zurück Richtung Parkhaus gegangen sind meinte Männe schon „also das gestern war irgendwie besser“.
Alles relativiert sich. Natürlich ist W. besser als die beiden Uni-Kliniken, aber halt auch nicht das was ich will, was wir wollen. Jetzt hieß es, die Erwartungen an L. runterschrauben und auf das beste hoffen.


Mit Spannung machten wir uns also am Donnerstag auf den Weg in Klinik Nummer… 4 mittlerweile. Die macht eigentlich wie W. einen guten Eindruck. Fahrtzeit 30 Minuten. Sie sind eine zertifizierte babyfreundliche Klinik und legen besonderen Wert auf die Förderung der frühen Eltern-Kind-Bindung. Sprich, auch wenn ein Kaiserschnitt nötig sein sollte ist das Baby nicht einfach „weg“ nach Geburt sondern die Mami bekommt es auf die Brust (das hatte der Doc in Giessen ja ins Lächerliche gezogen). Nach der Inforunde (viele Paare in einem Raum, die schnell heim wollten wegen irgend ner sportlichen Veranstaltung ^^; ) durften wir uns auch oben die Wochenbettstation und den Kreißsaal anschauen. Von der Optik her ist es mit W. vergleichbar, 2er Zimmer, hell und freundlich, ein Familienzimmer, Kreißsaal farbenfroh und „ganz nett“. Wieder das übliche mit Kreißbett und Klinikutensilien, die kann keine Klinik wegzaubern auch wenn mir das Pro-KH-Leute immer wieder glaubhaft versichern wollen. Dauer-CTG gibts auch nicht und wenn dann kabellos. BEL ist halt auch dort leider automatisch Kaiserschnitt.


Letztendlich… ich bin ja ehrlich – keines der Krankenhäuser hat mir wirklich gefallen. Mit ganz viel gutem Willen gibt es nun zwei zur Auswahl, zwischen denen wir uns entscheiden müssen, die 2 unmöglichen Unikliniken sind definitiv, aber sowas von definitiv, raus! Aber alles in allem nichts was ich wählen würde wenn ich wirklich frei entscheiden könnte. In einem werden wir nochmal einen extra Gesprächstermin ausmachen um Details abzuklären. Und letztendlich muss ich nach der Sommerpause auch nochmal im Storchennest einen Termin vereinbaren… ich hätte zwar schon gern eine Lösung in „trockenen Tüchern“ (soweit man sowas halt planen kann) aber wenn ich bis 38+5 ja dort entbinden könnte mit viel Wohlwollen … ach ich weiß nicht.

Und auch wenn es dutzende Schwangere gibt denen es augenscheinlich egal ist wo sie entbinden und die denken das es egal ist wie es dort aussieht wenn sie erstmal „unter der Geburt“ sind – MIR ist es nicht egal. Mittlerweile kommt verstärkt hinzu das ich manchmal denke „Und wenn dieses Kind auch stirbt? Will ich dann DORT dieses Kind kriegen?“ Vielleicht bescheuert, aber für mich unglaublich wichtig. Alles in mir schreit „NEIN NEIN NEIN“ Und nein mir geht es nicht darum das es da und da soviel sicherer wäre oder das ich eh nicht viel Zeit dort verbringe. Für mich gibt es keine schönen Kreißsäle, keine angenehme Lösung für das Problem. Letztendlich bleibt uns nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera..
Auch diese Selbstverständlichkeit des Personals, das man bei regelmäßigen Wehen in 10 Minuten Abstand schon ins Krankenhaus fährt. Ernsthaft?! Ich war bei 6 Minuten Abstand noch voll relaxt und bin bei 4 Minuten Abstand noch mit meinen Eltern Essen gewesen. Und dann hat es noch über 12 Stunden gedauert. Mir würde da nicht im Traum einfallen da schon ins KH zu fahren, diese ganze Eröffnungsphase will ich doch nicht da verbringen. Wenn es „ernst“ wird, die Fruchtblase vllt. platzt, okay. Aber vorher? Wozu? Das macht man doch am entspanntesten daheim. Klar, beim zweiten Kind kann es schneller gehen aber ich bin der Meinung das man schon merkt wenn es „ernst“ wird und dann halt fährt…

Nervig übrigens all die Leute die es einfach nicht raffen. Sorry.. ich will nicht ständig hören „Ja im Endeffekt müsst ihr entscheiden was ich machen wollt“. Ich kann zig 1000x erklären das es bei uns schon lange nicht mehr ums wollen geht. Ich will nicht ins Krankenhaus, interessiert das jemanden? Nein! Also ist das schon gar nicht mehr meine Entscheidung. Und ich erkläre es immer und immer wieder und bekomme als Antwort dann „Ja letztendlich bleibt es eure Entscheidung..“ Ich könnt so ausflippen.
Ich hab das z.B. meiner Mutter u.a. so erklärt: Sie möchte auf keinen Fall später, wenn sie mal stirbt, daß sie verbrannt wird und es dann eine Urnenbestattung gibt. Was, wenn man ihr sagt „Sorry  aber Urne ist billiger, mir egal was du willst – du wirst verbrannt, aber die Urne kannst du dir aussuchen.“? Natürlich wird dann gesagt „Ich will aber nicht verbrannt werden!“. Meine Antwort: „Das ist deine Entscheidung, die Urne kannst du dir ja aussuchen. Aber du wirst verbrannt!“. Wo also ist die Entscheidungsfreiheit?
Ist halt leider nicht nur meine Mutter…

Werbeanzeigen

6 Gedanken zu „Auf der Suche

  1. So wie du es beschreibst, würde ich dort auch nicht mein Kind zur Welt bringen wollen. Das hört sich alles so nach Routine und kalt an.

    Heutzutage ist im Krankenhaus nunmal die „Sicherheit“ wichtiger, als das Wohlbefinden der Frau. Natürlich ist es nicht richtig schön und man stellt es sich anders vor, aber es sind ja „nur ein paar Tage“.

    Ich habe die Erfahrung gemacht (auch aus Berichten von Freundinnen), dass die Klinikführung immer ein bisschen wie eine sterile Werbeveranstaltung war, dort war es auch oft der Chefarzt der doziert hat und dann die Geburt selber viel „weiblicher“ und „gemütlicher“ abgelaufen ist, da dort dann hauptsächlich die Hebammen zuständig waren.

    Kannst du nicht vielleicht mit ein paar Accessoires von Zuhause eine Wohlfühlatmosphäre schaffen? Wir konnten damals eine CD mitbringen und auch gegen ein paar Glücksbringer oder Tücher oder so hätte niemand etwas gesagt.

    Das ist nicht viel, aber vielleicht hilft es ein bisschen!

    Ich wünsche dir viel Kraft für die letzten Wochen!

    Liebe Grüße
    Kaya

    • Ich verbinde mit Krankenhaus kein bißchen Sicherheit. Ich weiß jetzt schon das ich jede Handlung und jedes bißchen Geburtshilfe von Seiten des KH-Personals hinterfragen werde weil ich einfach kein Vertrauen dort habe. Da hilft auch kein Schönreden, keine Musik und ein persönlicher Innenausstatter. Manche Dinge kann man eben nicht ändern. =/
      Wir suchen uns halt vom Worst Case das aus womit wir noch irgendwie leben können und irgendwie werden wir das schon überleben, aber für uns ist und bleibt es ne blöde Situation. 😦

    • Das ich hier in einem „schwarzen Loch“ wohne was medizinische Qualität angeht hab ich ja schon an meiner Frauenarzt-Suche gemerkt. Setzt sich mit der KH-Suche jetzt irgendwie fort.

  2. Ich weiß ja, dass ihr sehr traumatisches Erlebnis mit Matthis hattet, aber… Ich finde, dass Du Dich jetzt da sehr reinsteigerst. Du willst etwas bestimmtes erleben und siehst absolut keine Möglichkeit, etwas anderes zu probieren. Ich meine, Du stellst Dir eine KH Geburt nur vor. Du weißt nicht, wie sie wirklich ist. Genauso wie jemand wie ich keine Ahnung vor einer Geburtshausgeburt hat, ich kann es mir nur denken. Verstehst Du, was ich meine? Manchmal läuft alles ganz anders, als man es sich vorher vorgestellt hat. Und manchmal ist es besser sich für alles zu öffnen und versuchen loszulassen. Es ist wie es ist. Verdirb Dir nicht das Erlebnis im Vorfeld. Am Ende hast Du Dein Kind gesund und munter im Arm. Und ist es wirklich so enorm wichtig, wie? Was ändert sich dadurch? Wird Deine Zukunft dadurch so viel anders sein? Ich glaube nicht, dass es wirklich wert ist, sich dermaßen reinzusteigern.
    Bitte nicht böse sein, es sind nur Gedanken, die mir beim Lesen im Kopf rumschwirrten.

  3. Hmpf. Ja. Da steiger ich mich also wieder mal rein, soso. Sorry, leider bin ich da doch ein bißchen böse. Nicht speziell dir, aber so generell. Weil genau DAS ist es nämlich was mich aufregt und was ich ständig zu hören kriege. Eigentlich lustig, weil das gerade schon ziemlich sinnbildlich ist für meinen „Kampf“ um die freie Entscheidung.
    Du hast völlig recht, ich will etwas bestimmtes erleben und ich möchte gar nichts anderes probieren. Ich möchte nicht wissen wie eine KH-Geburt ist. Ich weiß, auch das hab ich glaub ich mehr als genug gesagt, das ich auf manche Dinge letztendlich keinen Einfluss habe und wenn dann ein KS im KH nötig ist weil er wirklich nötig ist dann ist es eben so. Aber solange es keinen wirklichen Grund gibt, warum sollte ich etwas anderes (in meinen Augen nicht besseres) probieren wenn ich mit einer (in meinen Augen viel besseren) Option bereits gute Erfahrungen habe? Warum muss man seine Einstellung eigentlich vor quasi jedem rechtfertigen, nur weil es „die Mehrheit“ wohl anders machen würde?

    Ich will auch hinterher nicht da stehen und ständig an mir zweifeln ob ich richtige Entscheidungen getroffen habe wenn etwas passiert und ich eigentlich nicht aus Überzeugung gehandelt habe. Und ich möchte Entscheidungen aus wirklich plausiblen Gründen treffen und nicht weil andere meinen es wäre das beste oder sich für besonderes priviligiert halten (bezogen auf den einen Arzt). Ich möchte in einer Situation, wo ich mich auf Menschen wirklich verlassen muss, an einem Ort sein der mir gedanklich den Raum gibt mich auf die Geburt zu konzentrieren und nicht ständig Zweifel im Kopf zu haben ob dies oder das wirklich richtig ist und ob Dinge, die geschehen, in dem Moment wirklich sein müssen.

    Abschliessend: JA es ist (mir) WIRKLICH so enorm wichtig wie! Weil sich im Zweifel ALLES ändert! Meine Erfahrung. Kannst du mir zu 100% garantieren das ich am Ende mein Kind gesund und munter im Arm haben werde?

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.