Kinderwunsch 3.0

Ja, er ist da. Er war nie weg, aber seit ich tatsächlich nach genau 920 Tagen meine erste Periode nach Geburt bekommen habe keimte da wieder dieses zarte Pflänzchen Hoffnung heran. Hoffnung, die mir die Kraft gab Dinge ins Rollen zu bringen. Seither übe ich mich in Geduld, denn Arzttermine sind nicht einfach mal so vereinbart, schon gar nicht wenn man nicht jeden Tag rund um die Uhr verfügbar ist.

Ich hab also erstmal geschaut, ob nach dem Umzug eine neue Frauenärztin in der Nähe zu finden ist. Eigentlich war ich mit meiner bis dato Gyn ja schon zufrieden, und ob ich wirklich wechlse steht auch noch nicht fest. Lediglich die 50km bis MR gondeln… man überlegt halt. Zumal das Fachwissen zu meiner Hormonerkrankung hier eher rudimentär vorhanden ist.
Anfang des Jahres dann ein Gyn-Termin bei einer Praxis, die auch als Spezialgebiet Kinderwunschbehandlung anbietet. Die Ärztin war auch sehr nett, aber eben auch hochschwanger. Sie erzählte mir etwas von Pille als Mittel der Wahl, GVnP mit Puregon uvm. PCOS war ihr bekannt, aber mehr als Basiswissen und Standards war das nicht. Na, da könnte ich ja auch gleich bei meiner Gyn bleiben. Ich lies mir für den Hormonstatus Blut abnehmen, der trotz einigem Hin und Her dann doch gemacht werden konnte – Stillen hin oder her. Das Ergebnis kam ein paar Tage später, alles im Normbereich.. außer die pcos-typischen Werte, die wieder aus der Reihe tanzen. 😦
Parallel dazu nahm ich dann im April einen Termin bei meiner Gyn wahr, die mir im Herbst bereits mitgeteilt hatte, dass wir dann ja mal einen Hormonstatus machen müssten. Neben normaler Vorsorge, die – wie ich ihr mitteilte – eigentlich gar nicht nötig war, wurde aber nix gemacht und „kommen sie in einem Jahr wieder“ war nicht so richtig zufriedenstellend.
Ich vereinbarte daraufhin nach etwas Recherche einen Termin bei einer Frauenärztin mit dem Fachgebiet Endokrinologie. Wer sich das Fachgebiet der Hormone auf die Fahnen schreibt, sollte ja auch mit Hormonstörungen gut vertraut sein.

Heute war dann mein Termin. Ich hatte direkt um 8 den ersten Termin, war um 7.30h vor Ort und trotz allem wurden beliebte „Stammkundinnen“ vorgezogen.. sehr sympathisch… Direkt am Empfang höre ich die Unterhaltung der zwei MFAs „das ist alles Kopfsache, einfach nicht dran denken und zack – ist man schwanger!“ Das als erster Eindruck in einer Praxis mit endokrinologischem Schwerpunkt… 😓
Die Ärztin war ganz freundlich, vielleicht nicht sympathisch aber doch nett. Sie fragte ein paar Informationen ab: Erkrankungen vor allem auch Schilddrüse, Medikamente usw. Beim Stichwort Pcos empfahl sie direkt Clavella (bzw Myo Inositol), denn man hätte ja ein hohes Risiko für Eierstockkrebs.. Meinen Einwurf, dass ich dies bereits seit 2016 nehme, überhörte sie. Trotzdem hatte sie zumindest mehr als Basiswissen und erzählte mir nicht das mein Pcos vllt irgendwann verschwindet.
Vorsorge, kurzer US (ohne Zusatzkosten). Sie sagt „Schleimhaut hoch, Eierstöcke Pcos typisch“ und ihre Einschätzung ist, dass ich so nicht schwanger werde, aber mit Clavella könnte es klappen. Werbeveranstaltung für Clavella.. Zu meinem Gewicht sagte sie nicht ein Wort, Metformin erwähnte sie allerdings auch nicht. Muss aber gestehen, dass bisher alle Ärzte sofort darauf herum ritten und mir erst hinterher im Auto auffiel, dass sie das Thema völlig ausgelassen hatte. Somit war meine Insulinresistenz und das Übergewicht kein Thema. Allerdings hat der Gesundheitscheck letzte Woche ja ergeben, dass mein Langzeitzucker absolut im Normbereich ist.. wobei ich jetzt gesagt bekam, dass der Langzeitzucker nicht aussagekräftig ist. Mein Homa Index wurde, trotz Nachfrage, natürlich nicht bestimmt. Meine Zyklen fand die Ärztin mit 45 Tagen übrigens SEHR lang.. 😂 da habe ich dann doch lachen müssen.. ü200 Tage waren bei mir ja keine Seltenheit. 😏 Wo wir wieder beim erhöhten Krebsrisiko und .. Werbung – bei Clavella. Ja ich hab’s gecheckt 😪 nehme trotzdem ein anderes Produkt (Fertilovit F PCOS übrigens, das hat für mich einfach das beste „Paket“)

Nach der Untersuchung dann nochmal die nachdrückliche Empfehlung: bis Ende des Jahres Clavella und wenn es dann trotzdem nicht klappt zügig wieder mit IVF starten. Auch nix neues.. 🤷🏼‍♀️
Sie kann das Rad natürlich nicht neu erfinden und ich weiß nicht was ich erwartet habe. Aber wenns 2x natürlich klappt wäre Zuspruch irgendwie nett gewesen. Bisher dachte ich außerdem, solange man zumindest Eisprung und einigermaßen einen Zyklus hat (44, 47, jetzt vermutlich auch ca 45 Tage) besteht zumindest eine Chance. Das diese Chance klein ist bei Ende 30 und den vielen Baustellen beiderseits ist ja schon klar… Ich fand – als Laie natürlich – meine Eierstöcke zwar eindeutig in Bezug auf Pcos aber eher in besserem Zustand (ich kenne es von mir sehr viel schlimmer und eindeutiger).. Schleimhaut war ja auch da 🤔 Das hat mich nun völlig verunsichert, zumal mein Mann überhaupt nicht von Interesse war, obwohl ich erwähnte, dass er ebenfalls eine Baustelle hat.

Es wurde übrigens nicht gefragt ob ich noch stille. Da es nicht um Medikamente oder so was ging habe ich auch gar nicht dran gedacht, diese Tatsache zu erwähnen.
Warum ich es jetzt hier erwähne? Weil mir an den Kopf geworfen wurde, dass ich eine Lügnerin sei, weil ich der Ärztin verschwiegen hätte, dass ich noch stille und stillend ja auch laut Kiwu nicht behandelt werde. Man könne mir ja nicht helfen, wenn ich das verschweige.
Aha… nun ja. Ich bin Vorurteile gegen das „Langzeit“Stillen durchaus gewohnt. Werde ja sogar in der Familie immer wieder gefragt ob denn die Milch noch reicht (die muss nicht reichen und darum geht es auch gar nicht…) und ob da immer noch was kommt (Angebot und Nachfrage).. die blöden Bemerkungen und Einstellungen wenn man zugibt, dass man eine bald Dreijährige stillt, kenne ich zur Genüge. Interessiert mich nicht, ich mach mein Ding. Ich umgehe diese Vorverurteilungen, indem ich es nicht erwähne wenn nicht explizit gefragt wird. Ja, auch beim Arzt denke ich nicht explizit daran, außer es geht um Medikamente.
Nun hatte ich heute den Tag über echt „Puls“… denn ich stehe wirklich nicht gerne als Lügnerin da, wenn ich etwas nicht von mir aus erzähle. Egal wie relevant es ist. Wäre es absolut wichtig hätte die Ärztin gefragt!

Nun ist meine Laune im Keller.. ich weiß nicht was ich von dem Termin halte. Ich weiß nicht was ich von Ärzten erwarte… aber ich habe das Gefühl kein Gyn der Welt wird in meinen Augen genug Ahnung von meiner Erkrankung haben, dass er mir optimal hilft. Ich kann denen ja nicht erklären wie sie ihre Arbeit zu machen haben und das will ich auch gar nicht. In Bezug auf Kinderwunsch kein Problem, da kann ich ja dann beizeiten in die Kinderwunschpraxis gehen. Diagnostik funktioniert da auch sehr gut stillend. Theoretisch wäre auch eine ICSI stillend machbar, vor allem wenn man nur noch so wenig stillt wie die Motte. Die Medikamente sind stillfreundlich, es gibt genug ausländische Studien usw. „Aber das Stillen verhindert doch die Empfängnis..“ – nein! Beim Stillen ist das Stillhormon Prolaktin erhöht… aber einer gewissen Stillzeit fällt dieses Hormon aber wieder in den Normbereich. Ab da ist eine Schwangerschaft problemlos möglich, egal durch was! Obwohl ich gestehen muss, dass ich gehofft hatte, dass wir uns weitere ICSIs vielleicht sparen können, wo es doch schon 2x natürlich geklappt hat. Und nach Zyklus, Eisprüngen, aufgebauter Schleimhaut – da war ich doch recht positiv gestimmt zumindest eine klitzekleine Chance zu haben. Als mir dann heute die Fachärztin vor den Latz knallte, dass es quasi unmöglich sein soll weil die Eierstöcke nach PCOS aussehen… das war irgendwie… deprimierend. Und nachdem ich jetzt immer gehört habe „wenn man ja einen Eisprung hat dann kann man auch schwanger werden“ irritierte mich das total.

Jetzt hab ich eher das Gefühl, das dieser Wunsch nach einem Geschwisterchen für Matthea vielleicht doch zu egoistisch ist. Ich renne gegen Windmühlen… und mit 38 noch ein drittes Kind.. da rät ja auch wirklich jeder von ab. Aber der Wunsch ist halt da, wir wollten immer 2 lebende Kinder. Und auch der Papa hätte gerne noch ein Geschwisterchen… hach, es ist schwer gerade.. ich hatte mir in der (FB) PCOS Gruppe irgendwie erhofft ein paar gute Hinweise und Meinungen zu bekommen.. letztendlich gehts mir jetzt noch mieser… keine Ahnung. Warum muss bei uns denn alles immer so viel Kraft kosten… 😦

4 Gedanken zu „Kinderwunsch 3.0

  1. Hallo, musste das jetzt zweimal lesen. Du hast nach über 2,5 Jahren das Erste mal wieder deine Periode bekommen? Wahnsinn. Oder ist das normal bei PCO?
    Wünsche dir, dass es nochmal so klappt 🍀

    • Ja, tatsächlich nach über 2,5 Jahren 🙂 Das ist normal bei PCOS, aber auch normal wenn man stillt. Es gibt viele Frauen, die erst nach dem Abstillen ihre Periode wieder bekommen. Es hätte also gut sein können, dass meine Periode stillend gar nicht gekommen wäre. Daher bin ich schon ganz positiv gestimmt, dass dies offenbar von allein funktioniert hat 🙂 Danke!

  2. Warum sollte es nicht noch einmal natürlich klappen? Du nimmst Fertilovit, beobachtest deinen Zyklus und passt so den richtigen Zeitpunkt ab. Mir wurde gesagt, das lange Zyklen nicht unbedingt ein Problem sein müssen. Bei einem Eisprung kann man auch immer schwanger werden, egal ob er an ZT 14 oder 44 stattfindet. Schade, dass du so blöde Erfahrungen mit den Ärzten machen musstest! So etwas stresst einen dann noch mehr! Mit 38 bist du zwar schon etwas älter für den Kinderwunsch, aber warum nicht? Mein Arzt meinte, dass wir PCO-Frauen durch die langen Zyklen oder nicht-stattfindenden-Eisprünge eher noch länger solche Chancen haben, einfach weil die Eizellreserve noch größer ist. Mach dich nicht verrückt! Hör auf deinen Körper!
    Liebe Grüße
    Kaya (auch 38 und PCO)

    • Ja, das ist eben die Frage. Mir hat sich tatsächlich nicht ganz erschlossen, warum die Eierstöcke allein darauf schliessen lassen. Ich weiß, das ich mittlerweile zu den Oldies gehöre und es nicht mehr ganz so einfach ist. Aber kopfmäßig würde es mir z.B. schon reichen wenn ich weiß, dass wir zumindest eine theoretische Chance hätten bevor wir wieder in die medizinische Trickkiste greifen…
      Das mit den langen Zyklen und nicht seltenen Eisprüngen und dadurch länger Chancen klingt tatsächlich plausibel. Mein AMH liegt ja auch recht hoch über 10.. Dann probieren wir einfach mal weider 😀 Es MUSS ja nicht zwingend klappen..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s