Corona-Alltag

Heute sagt die Überschrift wohl schon alles, oder? Ich denke den meisten geht es ähnlich. Wir haben seit März einen völlig neuen Alltag und unser Leben hat sich vermutlich etwas verändert. photo_2020-04-30_21-23-44

Matthis hat trotz dem ungewohnten Alltag übrigens sein Grab frisch gemacht bekommen. Ich war Gründonnerstag da und jetzt Anfang Mai sieht es aus als wäre ich im Herbst das letzte Mal dort gewesen… da war ich doch ein bißchen schockiert.. dieses Jahr habe ich mich fürs Thema Eisenbahn entschieden und er hat seine eigene Holzeisenbahn bekommen 😀 Dazu ein paar bemalte Steine und neue Blümchen. Hoffentlich sieht das jetzt ein bißchen länger frisch aus!

Fasching verlief zum Glück noch normal. Matthea wusste zwar noch genau, was ihr Freund F. im Jahr zuvor als Kostüm getragen hatte, aber auf die Frage als was sie sich verkleiden möchte war dann doch irgendwie nicht ganz so leicht. Letztendlich wurden es dann sogar zwei Kostüme. Ja, manchmal bin ich etwas verrückt, aber ich bin schließlich Näh-Mutti und Cosplayerin…
Fürs Kinderturnen habe ich Eulette von den PJ Masks genäht. Ein paar kleinere Fehler (u.a. finde ich das Cape etwas zu klein für die Motte), aber dem Kind wars egal – sieht man glaube ich am breiten Grinsen, oder?

Und für die KiTa das heißersehnte Findus Kostüm aus Petterson und Findus. Findus hat mich da tatsächlich echt Nerven gekostet, weil ich die Streifen vom Katzenfell alle einzeln zusammen genäht habe. NIE WIEDER! Aber – ich mag das Ergebnis und M-chen mochte es auch sehr ❤

Am 13. März haben wir trotz Corona-Thema überall guter Dinge M-chen aus der Kita geholt. Wir haben uns von den Erzieherinnen verabschiedet und ich habe vorsichtshalber schon mal schöne Ostern gewünscht, was eher belächelt wurde. Am Sonntag kam dann die Mail – KiTa vorläufig bis zu den Osterferien nur für die Notbetreuung geöffnet.

Wir haben es uns gemütlich gemacht und uns eine Alltagsroutine geschaffen, zumal der Papa wegen einem Arbeitsunfall auch außerplanmäßig 6 Wochen daheim war. Spielen, basteln, Spazieren gehen, im Garten ein Spielhaus bauen, eine Katze aus dem Tierheim holen – was man zu Zeiten von Kontaktverbot und „alles geschlossen“ halt so macht.

Ach ja, und Ostern war ja auch noch. Der Osterhase war natürlich wieder fleißig und hat ganz viele Eier im Garten versteckt, aber auch eine Barbie, ein Spiel und neue Möbel fürs Puppenhaus – scheinbar waren nicht genug Eier geliefert worden. Auch bei den lieben Nachbarn hatte er was hinterlassen.. da hat er wohl den Weg nicht gefunden 😉

 

Nach Ostern war – oh Wunder – die Kita natürlich immer noch zu. In der Woche vor Ostern kam ein Brieflein von den ErzieherInnen unserer KiTa Gruppe, was mich unheimlich gefreut hat. Las ich doch überall, dass viele Kitas regelmäßig mit den Eltern in Kontakt sind, viele schicken auch Spiel- und Förderangebote, die KiTa zeigt den Kindern: „Wir vermissen euch!“ Tja… unsere Kita nicht, denn die 3 besten Freunde (und auch alle anderen Gruppen) haben nichts bekommen. Wir haben das zwar im Elternbeirat angesprochen, aber die ErzieherInnen sind mit der Notbetreuung ja ausgelastet und haben genug zu tun. Wow! Muss gestehen, dass ich da schon ziemlich enttäuscht bin. Es ist nicht so, dass ich von Seiten der KiTa mega viel Aufwand erwarten würde, aber eine Mail mit einem Foto aus der KiTa aktuell, vielleicht ein kleiner Arbeitsauftrag „Malt ein Frühlingsbild und schickt es uns wir hängen es dann hier auf!“ – nein, alles zu viel.

Kurz nach Ostern fand ich nach unserem Spazierung zur Dill einen bunt angemalten Stein und die dazu gehörige FB Gruppe. Es ist wie eine Schnitzeljagd – man bemalt Steine, legt sie aus und jemand anderes findet sie, zeigt sie in der Gruppe und legt sie wieder neu aus. Eine tolle Corona-Anregung waren die vielen Steinschlangen – hier werden an bestimmten Orten (meist sind es KiTas) mit einem Schlangenkopf Schlangen gestartet. Die Kinder können nun selbst bunte Steine bemalen und so gemeinsam etwas machen, obwohl sie Distanz wahren müssen. Das gefiel mir total und da ja keine gemeinsame Aktion von der KiTa angeregt wurde (Bilder an den Zaun hängen o.ä.) habe ich dann kurzerhand eine Steinschlange bei uns gestartet: Dilli – die Dillwiesenschlange (die mittlerweile eine eigene FB Seite und Insta-Account hat *lol*) – und tatsächlich ist die Aktion gut angekommen und die Kids legen fleißig ihre Steine an. Toll!

April ist dann auch immer der Monat wo ich meinen Geburtstag feiere. Dieses Jahr war ja mit Gäste einladen nix.. was ich ohnehin meist nicht überzeugt mache. Die letzten Jahre sind wir immer irgendwo hin gefahren. Dieses Jahr haben wir stattdessen eine Radtour gemacht ❤

Tja, Corona. Was soll ich sagen. Es schockiert mich, wie viele Leute ich doch kenne, die das ganze als Unfug abtun, die Maßnahmen überzogen finden, sich niemals impfen lassen würden usw. Es schockiert mich, wie viele Menschen sich nicht an Regeln halten – ich sehe vor allem genau die Generation Ü60, die als sogenannte Risikogruppe gilt und die wir schützen  wollen indem wir das sogenannte Social Distancing betreiben und uns ans Kontaktverbot halten.
Anfangs fand ich das alles zu übertrieben, SARS und MERS Viren gab es schon vorher, was soll schon passieren. Aber mit neuen Erkenntnissen muss man eben auch die eigene Meinung korrigieren. Ich bin seither im Homeoffice – ich erledige also Dinge per Email wenn es denn geht, werde aber zum Glück (bisher) weiter bezahlt.
Uns betrifft es vor allem, weil unsere Kinderwunschpraxis aktuell nur begrenzt behandelt. Vor wenigen Tagen wurde ich 39, die Uhr tickt. Zwar hat sich bei mir ein Zyklus eingependelt (letzter Zyklus 36 Tage, was bei mir hammergut ist), aber das macht weder das Spermiogramm besser noch mich schwanger.. Kryos müssen warten, ICSIs sowieso und Voruntersuchungen (welche andere Praxen machen müssten) werden ja erst gar nicht gemacht. Wir müssten aber zunächst unsere Kryos durchbringen und dann hoffen, dass wir neue Versuche bekommen. Wartezeiten auf Genehmigungen usw. mal nicht mit eingerechnet rinnt uns die Zeit durch die Finger.. weniger als ein Jahr. Manch einen freuts, denn so bleibt es wohl beim (gewünschten) Einzelkind.

Aber Corona beschäftigt mich auch so.. natürlich sind da die Bedenken, die Ansteckungsgefahr uvm. Da sind die Kontaktbeschränkungen (in Hessen bzw. Deutschland gibt es ja keinen Lockdown – also keine strenge Ausgangssperre – sondern „nur“ Kontaktbeschränkungen und Regelungen sowie geschlossene Geschäfte, wobei da jetzt ja schon wieder gelockert wird). Mir selbst fällt das nicht schwer und anfangs fühlte es sich, bis auf den fehlenden Arbeitsweg, nicht sonderlich anders an, außer dass das Kind daheim ist. Ich bin ohnehin ein Mensch, der nicht viel Kontakt braucht und das sehr gut auch online „erledigen“ kann. Aber bei der Motte sieht das anders aus. Sie braucht zwar nicht die Betreuung in der KiTa und wir kommen gut durch den Tag, aber die Dinge, von denen sie profitiert hat (Sprachentwicklung, Motorik, soziale Interaktion, Selbstbewusstsein, Förderung im KiTa Alltag), fallen weg. Ich traue mir (zumal mit pädagogischem Studium) durchaus zu, einiges aufzufangen, aber die 3 Kumpels und die Freunde in der KiTa kann ich nicht ersetzen, nur trösten und Hoffnung schenken, auffangen, umarmen, da sein. Hoffen, dass wir diese schwere Zeit ohne „Schäden“ überstehen.
Und doch… man braucht nur einmal einige Minuten auf Facebook oder Twitter zu verbringen. Da merkt man, dass man als Familie meist übersehen wird. Kinder haben keine Lobby, sie werden als größtes Risiko eingesperrt. Äußert man dahingehend seine Bedenken, dann wird schnell abgewiegelt: man sei ja mit den Kindern daheim überfordert (überhaupt ist man ja als Elter sofort überfordert wenn man es wagt eine Situation kritisch zu betrachten), man sei „aus der Kategorie die Alten sind ja egal“ weil man es bedenklich findet Seniorenheime zu öffnen weil man es ethisch nicht verantworten kann, wenn (alte) Menschen keine Sozialkontakte haben, Kinder aber einfach weiterhin einsperrt. Überall wird Geld locker gemacht, die arme Wirtschaft. Geschäfte auf – wird gefordert. Lieber Gastronomie als KiTas. Damit die Risikogruppe sich wieder Schulter an Schulter in der Öffentlichkeit drängt um weiter das Virus zu verbreiten, während wir daheim sitzen um sie genau davor zu schützen.
Das klingt jetzt harsch.. vielleicht. Mir ist durchaus klar, dass eine Öffnung von KiTas nicht von jetzt auf gleich gehen wird. Ja, auch weil die kleinen Kinder im Spiel schnell vergessen, dass sie ja eigentlich Abstand halten sollen. Ich mache mir auch Sorgen um die älteren Erzieher, die schon zur Risikogruppe gehören usw. Es gibt viel zu bedenken. Natürlich weiß ich, wie schwer es für viele Menschen ist, die jetzt allein irgendwo sind, egal ob im Seniorenheim oder allein daheim und ich verstehe, dass man Lösungen finden muss, dass auch ältere Menschen wieder in Kontakt mit anderen kommen. Ich weiß auch, dass es eine große Belastung für Staat und Wirtschaft ist – ICH bin nicht dumm. Ich verstehe die Argumente all jener, die Lockerungen in „ihrem Bereich“ fordern. Aber ich möchte nicht auf FB oder sonstwo beschimpft werden weil ich mir für mein Kind wieder soziale Kontakte wünsche. Nur weil ich eine Mutter bin, die sich sorgt um ihr Kind und seine Bedürfnisse sieht, bin ich nicht überfordert, dumm oder ein Schlafschaf.

Und was mich am allermeisten ärgert – die Menschen, die sich nicht an die Regeln halten, nicht weil sie die Tragweite nicht erfassen wie kleine Kinder, sondern weil sie aus reinem Egoismus sich nicht dran halten wollen, die entscheiden etwas nicht zu tun, selbst wenn es nur empfohlen wird. Ich bin da echt sauer, weil all die Lockerungen, die wir uns alle erhoffen, evtl. schneller wieder gestrichen werden müssen weil es eben genau diese Menschen sind, die für entsprechende Zahlen und Entwicklungen sorgen.
Es ärgert mich, dass ich meiner Tochter verbiete mit ihren 3 besten Freunden zu spielen. Dass sie in Tränen ausbricht wenn einer der 3 auf dem Fahrrad vorbei fährt und sie nicht kurz spielen dürfen. Manchmal reicht auch schon die Mama von einem der 3 aus oder ein Blick aus dem Fenster. Und andere lassen ihre Kinder zusammen spielen weil „Corona-Ferien“ sind… 4-5 Kinder toben durch die Gärten, Kindergeburtstage werden gefeiert.
Es ärgert mich, weil wir Ostern bewusst nicht zu Oma und Opa fahren. Andere aber sehr wohl jede Woche zu Oma und Opa fahren.. und WIR deshalb noch länger auf die Großeltern verzichten müssen/werden, weil ich weiß, dass „unsere“ Großeltern mit den anderen Großeltern Kontakt haben, sich auch jede Woche treffen, sogar zum gemeinsamen Essen. Man hält sich im „großen und ganzen“ dran, aber eben nicht immer. Das lässt man sich ja nicht nehmen.
Ich selbst war seit März 2x bei meinen Eltern… einmal draußen auf der Terrasse, mit 2m Abstand und nicht lange und einmal letzte Woche, ebenfalls mit Abstand aber schlechtem Gefühl (s.o.). Ich verzichte auf Besuche bei meinem Sternenkind, ich fahre nicht so oft zum Grab wie ich möchte. Andere picknicken am Fluss in größeren Gruppen und rappen wie scheiße der Staat ist. Hmpf.

Am Montag öffnen die Spielplätze wieder. Ob es der richtige Weg ist wird sich zeigen. Für uns ist der Spielplatz eine Option, eine Möglichkeit, dass die Kids sich bald mal wieder sehen können in einem begrenzten Zeitraum und draußen, wo wir drauf achten können, dass sie Abstand halten. Nicht mehr, nicht weniger. Unseren Alltag beeinflusst das wenig. Wir genießen die gemeinsame Zeit, aber für mein Kind würde ich mir auch andere Dinge wünschen.
Unser Urlaub im Juni steht ja auch auf der Kippe. Wenn es nicht klappt ist das okay, eigentlich rechne ich damit. Ich meine, man muss sich an die Begebenheiten anpassen. Wenn die KiTas erst Ende des Jahres öffnen sind wir halt weiter daheim. Wir schaffen das gemeinsam als kleine Familie, mit dem Wehrmutstropfen, dass es vielleicht genau dabei bleiben wird – der kleinen Familie: Mama, Papa, Tochter, Sternenkind.

PS: Fotos von Ostern und der Radtour muss ich nachreichen… sind noch auf dem Handy.
Bleibt gesund und haltet die Ohren steif!

Ein Gedanke zu „Corona-Alltag

  1. Ich verstehe dich so gut. Meine Tochter vermisst ihre Freunde, die sich regelmäßig treffen. Mittlerweile habe ich Facebook deaktiviert und es geht mir viel besser seitdem!

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