Endspurt

Da starten wir nun in ein neues Jahr, dass so viel besser werden soll als das vorherige. Große Hoffnungen auf 2021, überall! Meinen Leser*innen also ein gutes Jahr!

Unser Start 2021 war.. anders. Seit 2015 gehen oder fahren wir jedes Jahr zu Matthis, haben Wunderkerzen angezündet und sind bei ihm ins neue Jahr gestartet. Dieses Jahr haben wir uns dagegen entschieden. Man sollte ja daheim bleiben usw. Seltsames Silvester. Kind vor Mitternacht im Bett, dann haben wir glaube ich sogar den Zeitpunkt verpasst, da ich mich mit Powernähen abgelenkt habe und vor Mitternacht noch Fotos hochladen wollte.. ich hätte auch einfach mit dem Kind pennen gehen können.. einfach weil es vom Gefühl her „völlig umsonst“ war.. das war ein Tag wie jeder andere, völlig unbesonders, nur nachts kurz lautes Geknalle. So hatte ich lange das Gefühl im neuen Jahr noch gar nicht angekommen zu sein..

Aber die Uhr tickt, die Zeit vergeht unaufhörlich. Ich merke, dass das Ende näher rückt, nun kommen die ersten Wehwehchen (ja da muss ich 38 Wochen schwanger sein für „erste“ Wehwehchen: Sodbrennen, Symphysenschmerzen, Hämorrhoiden..).
Direkt in der ersten Woche standen dann auch wieder Termine an. Termine, in die ich viel Hoffnung gelegt hatte. Zunächst eine weitere Vorsorge beim Frauenarzt, und dann das Geburtsplanungsgespräch im Krankenhaus. Netterweise übernahm die KiTa die Betreuung von M-chen, so dass ich zumindest diesbezüglich keinen Stress hatte. Es reicht mir völlig, dass wir zur Geburt bisher keine Option haben – außer der Käfer kommt unter der Woche und die KiTa übernimmt spontan.
Zunächst der Vorsorge Termin. Zunächst war meine Versichertenkarte verschwunden. Mega -_- Neues Quartal natürlich auch. Zum Glück lies sich das mit einem Anruf bei der Versicherung und einem schnellen Fax in der Gyn-Praxis regeln. Direkt am Empfang dann „oh sie haben einen Termin bei Frau R., na sie wissen ja dass sie im Urlaub ist, sind sie einverstanden mit der Kollegin?“ (nein, wusste ich nicht! aber die Alternative wäre gewesen ohne Termin wieder heim, dafür extra KiTa bemüht und 30km gefahren… nee)
Naja.. Labor, dann rein zur Vertretung. Wo ich entbinden will, wie ich entbinden will (direkt die Bemerkung das ein KS ja besser wäre), wie immer großes Herumreiten auf meinem Blutdruck.. GMH bei 5cm, Kopf im Becken aber abschiebbar, MuMu fingerdurchlässig. Herztöne im CTG sehr hoch (Käferchen hasst CTG, was soll man da erwarten?).. naja. Auf Nachfrage ob denn nun ein Doppler gemacht würde (immerhin hieß es anfangs ja immer, dass ab der 30 SSW alle 2 Wochen ein Doppler gemacht wird, da es bei Matthis ja an der Versorgung lag, der letzte war aber in der 28. SSW)… wurde abgelehnt, sie sei nicht zuständig und wenn ich da jetzt so Panik schieben würde solle ich mir halt mal psychologische Hilfe suchen oder mich einweisen lassen. Auf Wiedersehen! o.O Minuten später stand ich vor der Praxis und war völlig verwirrt und den Tränen nahe…

Ich habe dann, weil mich das mit dem Doppler nicht los lies, nochmal in beiden KHs angerufen, die in Frage kommen.
Kurz zu Option 1: Ich konnte mit einem der Oberärzte sprechen, nachdem die Hebamme am Telefon nach kurzer Schilderung meiner Vorgeschichte eher reserviert war und mich lieber an den Arzt weiterleiten wollte. Dieser hat u.a. den KS von meiner Tochter durchgeführt und kannte meine Geschichte, er erinnerte sich noch gut an meinen Zusammenbruch und lies sich von mir die Befunde dieser Schwangerschaft durchgeben. Ich teilte meinen Wunsch mit eine natürliche Geburt versuchen zu wollen, woraufhin er ziemlich klar machte, das er sich bei mir nicht auf Experimente einlassen möchte, ich wäre sozusagen ein „Pulverfass“ wo man nicht weiß was passiert. Er würde den KS-Termin fix machen und ich könne für ein persönliches Gespräch vllt nochmal vorbei kommen. Damit war diese Option endgültig raus.
Der Anruf in bei Option 2: Sie machen auch Doppler und das Gespräch findet persönlich statt – Erleichertung.
Am nächsten Tag also los zur potentiellen Entbindungsklinik, wieder ohne Karte 😦
Eine nette junge Ärztin bat mich zum Gespräch, hörte sich meine Geschichte an und war dabei auch sehr einfühlsam. Ich erklärte ihr die Geburten 2015 und 2016 und einige Diagnosen. PCOS und Insulinresistenz sind normal nichts, was einen Einfluss hat auf die Geburt, solange die IR sich nicht als Schwangerschaftsdiabetes äußert. Die habe ich offiziell nicht!
Bei der Gerinnung war ich ehrlich – es ist mir unklar ob ich eine richtige Gerinnungsstörung habe, ich weiß von einer „Folsäureaufnahmestörung“ durch die Kinderwunschbehandlung, habe aber keine Unterlagen. Was die Gerinnungsambulanz sagen würde – da hat mich NIE jemand hingeschickt? 😳 Ich würde ja Fragmin spritzen stehe im MuPa – ich habe Heparin bis 14 SSW gespritzt und danach nie ein Folgerezept erhalten 🤷‍♀️ war auch nie wieder Thema. Lediglich die ASS hatte ich auf Empfehlung der Gyn weiter genommen.
Und dann die große Diskussion: zu hoher Blutdruck. Ich würde ja 3x täglich Presinol nehmen. Meine Erklärung: der Blutdruck war lediglich beim Frauenarzt in der Praxis zu hoch. Kontrolle beim Hausarzt ergab keine Auffälligkeiten, die Kontrollmessungen ebenfalls nicht. Meine Protokolle daheim waren ebenso unauffällig: Werte nie über 145 / 95 (und ehrlich gesagt – ich habe die Presinol auf Anraten des Hausarztes auch nicht genommen) – aber: es steht halt jetzt im Mutterpass und sie machen mich seit Beginn damit verrückt, Rezepte oder Kontrollen wurden aber nie gemacht, ich sollte mich selber kümmern und das zählt ja nun irgendwie nicht.
Jetzt steht natürlich noch einiges mehr im Mutterpass: die KiWu Behandlung mit 2 Fehlgeburten, die Totgeburt, die Sectio, Übergewicht (ich habe aktuell seit Schwangerschaftsbeginn genau 3kg zugenommen), PCOS, Insulinresistenz, ich bin 39, der Bluthochdruck wurde vermerkt. Ich habe zig Punkte für eine Risikoschwangerschaft, bin aber nicht als risikoschwanger eingetragen. Meine Dopplerwerte und die Feindiagnostik waren immer top.
Die Ärztin war mit meinem Wunsch nach einer spontanen Geburt einverstanden, klärte mich sogar über Wassergeburt auf, über Corona Regeln (Mann erst mit MuMu wirksamen Wehen dabei, 1h Besuch pro Tag), dass ich auch ambulant entbinden dürfe, sie aber empfehlen 24h zu bleiben wegen Nachblutungen, ansonsten müsse ich halt nochmal kommen aber ambulant wäre natürlich drin. Habe ein Zettelchen bekommen was ich dann organisieren/wissen muss (das ist nicht neu für mich, da die erste Geburt eine Geburtshausgeburt war). Sie rief auch ihren Vorgesetzten (ich meine sie hat Chefarzt gesagt, sicher bin ich nicht) an und gab die Eckdaten von mir durch und sicherte sich ab wegen spontaner Geburt und bekam grünes Licht. Sollte mich am Termin dann nochmal vorstellen falls es nicht vorher los geht. Sie wollte dann, weil seit der 28 SSW kein Doppler mehr gemacht wurde, noch Ultraschall und Doppler machen.
Das Kind war leider nicht so kooperativ und der Doppler war schwer einzustellen. Zwischenzeitlich kam ein Kollege rein, der offenbar jemanden suchte. Da sie beim Doppler nicht so erfolgreich war kam der Kollege erneut zurück und bot an das zu übernehmen. Kurz Vorgeschichte erzählt, er guckt in den Mutterpass und sagt direkt „also nee sie gehen nicht bis Termin!“ Es stand dann plötzlich Kaiserschnitt oder Einleitung bei 38+0 im Raum. Ich war sprachlos. Meinte dann nee ich möcht schon gern spontan… wir diskutierten etwas (er erfragte noch einige Details wann genau und warum unser Matthis gestorben ist) und er meinte dann ja okay aber spätestens 39+0 müsse man schon einleiten, mit KS zuvor ginge da ja auch nicht die ganze Palette. Ich dann gemeint, dass wenn es notwendig ist ich mich sicherlich nicht quer stelle, aber das Kind wird ja überwacht (auch wenn ich mir unter „am Ende der Schwangerschaft sehr engmaschig kontrollieren“ beim Gyn schon etwas anders vorgestellt hatte… ) und wenn die Einleitung dann nicht funktioniert (bei meiner Tochter war das der Knackpunkt, nach 24h keine Wehen und zack KS) ob wir dann, bei guter Versorgung vom Kind, auch abwarten können. Ja, okay, aber nicht über Termin (also 40+0). Er hat dann selbst Doppler und Ultraschall gemacht und was soll ich sagen – top Werte! Kind absolut in der Norm (er überrascht, dass es nicht „zu schwer ist“). Aber ja wegen dem Blutdruck und der Totgeburt dürfe man da einfach kein Risiko eingehen. (mein verdammter Blutdruck ist NIE zu hoch außer beim Frauenarzt! – es wurde übrigens nicht gemessen vor Ort… ) Nun habe ich einen Termin in 10 Tagen zur erneuten Kontrolle mit Option zur Einleitung bei 39+0. Kaiserschnitt ginge natürlich jederzeit (ist klar!) Mir wurde auch gesagt, dass aufgrund der Vorgeschichte längere Geburtsstillstände nicht toleriert werden und bei auffälligen Herztönen vom Kind einfach schneller reagiert wird als evtl. „normal“. Es gab natürlich auch Infos zur Narbe, das wusste ich aber und ehrlich – nach der Narbe hat niemand geschaut bisher, weder Gyn noch die im KH jetzt. Die Hebamme mal aus Interesse, die meinte sieht gut aus – ich hab damit aber auch keine Probleme. Die Risiken und Anzeichen kenne ich. Ich hab eigentlich ein gutes Bauchgefühl, zumal der Kleine sehr aktiv ist und das auch sehr regelmäßig. Die Werte waren bisher immer top. Ich habe nicht das Gefühl ich müsste jetzt dringend was tun, zumal die Versorgung wirklich gut ist. Jetzt war ich vorhin aber absolut platt von den letzten beiden Tagen und Informationen. Es ist seit 38 Wochen kein Thema gewesen natürlich zu entbinden, alle waren super entspannt, engmaschig untersuchen – ach was wozu? Und plötzlich wird Panik geschoben? 3 Ärzte – 3 Meinungen innerhalb von 10min? Das hat mich damals bei meiner Tochter verunsichert (und führte letztlich zum KS), diesmal bin ich einfach nur verärgert. Wäre der Arzt nicht zufällig rein gekommen wäre ich wohl mit „kommen sie zum ET wieder“ heim gegangen… und Einleitung wollte ich eigentlich auch nicht. Ich habe Bedenken, dass ich mich vom Kopf her wieder nicht auf die Situation einstellen kann (weil es eben absolut jenseits meiner Geburtsvorstellungen liegt – ich wollte nie KH, nie KS, nie Einleitung) und dann durch die Blockade im Kopf nichts passiert und es doch wieder ein KS wird. Und dann kommt doch der kleine Gedanke: schaffe ich in der Situation die evtl. mehrere Tage Einleitung? Ohne meinen Mann? Und dann wird es doch wieder der Kaiserschnitt und ich muss sogar noch bleiben.. wäre es nicht besser direkt dem KS zuzustimmen zwecks Planbarkeit… ? Eigenlich will ich darüber nicht nachdenken. Ich will das nicht! Und am meisten nervt mich, dass wieder jeder was anderes sagt. Worauf verlässt man sich? Was stimmt denn nun? Wenn es denn wirklich SO dringend ist, warum wird dann nicht enger kontrolliert, warum kann ich von 38+0 auf 40+0 hochhandeln und was ist dann die Begründung warum früher und nicht später?
Einziger Hoffnungsschimmer: das Angebot es natürlich zu versuchen ist da. Es wird nicht ausschließlich der KS angeboten, die Chance ist da..Mein Plan war jetzt die nä. 10 Tage abzuwarten, mich nochmal auseinander zu setzen mit allem und um einen weiteren Doppler zu bitten. Wenn die Werte gut sind auch die Frage ob ich bis ET warten kann (ich meine, zwingen könnten sie mich ja nicht?) und da evtl. eine Kompromisslösung zu finden. Leider hab ich durch das ganze Hickhack einige Punkte auf meiner Geburtsplanliste nicht besprechen können. Bei dem Aufriss im Vorfeld werde ich das „kein prophylaktischer Zugang“ wohl nicht durchkriegen.. dabei war mir das wichtig. Denke zum Thema „Bonding beim KS“ muss ich dann nochmal fragen, das Thema ob natürlich oder nicht war plötzlich sehr viel präsenter. Und leider ist jetzt doch mein gefürchtetes Kopfkino angesprungen. 🙁

Und ich fühle mich völlig unvorbereitet und noch dazu – alleingelassen.
Ich habe diese Woche dann panisch begonnen Babysachen zu waschen. Kliniktasche ist nicht gepackt, meine geplanten Nähprojekte nicht mal angefangen. Lange sitzen oder stehen lässt die Symphyse nicht zu. Dazu die 4jährige, die natürlich zuhause ist und ihre verdiente Aufmerksamkeit will. Der Papa, den jetzt passenderweise auch noch die Hexe geschossen hat. Ich gehe auf dem Zahnfleisch und es juckt einfach absolut niemanden. Ich sehe keinerlei Bemühungen, keine eigenständigen Vorbereitungen, kein Mitfühlen. Ich schleppe mich von Tag zu Tag in der Hoffnung es irgendwie zu überleben, alles zu „wuppen“, allen gerecht zu werden während ich eigentlich nur exisitiere.

Das ganze gipfelte dann vorhin darin, dass ich, nach Spielrunde mit dem Kind und Papa, dank Symphyse weder sitzen noch liegen noch sonstwas konnte. Ich hab mich also irgendwie auf dem Sofa gehalten und gewartet bis es sich wieder etwas bessert. Natürlich musste das Kind dann auf mir herum turnen und ja, irgendwann war ich sauer. Immer ich. Immer auf mir. Einschlafen nur mit mir. Spielen nur mit Mama. Essen macht die Mama. Mama sei wieder fröhlich – geht ja auch so gut auf Knopfdruck. Aufräumen – natürlich die Mama, die sich eigentlich nicht mehr bücken kann. Dann wars der Dampfdruckkochtopf der explodiert – ich hab alles eingeräumt was auf dem Boden lag, den Kaufladen zusammen gepackt – ja ich war kurz davor alles draußen im Mülleimer zu entsorgen, bevor ich es dem Papa vor die Füße geschmissen habe. Und dann höre ich mich plötzlich sogar sagen vllt löst sich das Problem ja noch allein, vllt stirbt das Kind ja auch noch. Dann brauch ich kein Heimgehoutfit und keine Unterstützung.

Das Abendessen ist ausgefallen(Mama macht ja was zu essen), das Kind noch immer nicht im Bett (Einschlafen nur mit Mama…)… nun saß ich natürlich auch wieder zu lang an diesem Beitrag und gefühlt explodiert mein Becken. Wo ist eigentlich diese rosarote naive Schwangerschaftsglück-Scheinwelt von der immer alle reden? Hier gibts nur den Scherbenhaufen deluxe.. normal hab ich diese schwarzen Tage immer sonntags.. vielleicht ist es diesmal ein schwarzes Wochenende? 😦

3 Gedanken zu „Endspurt

  1. 💚💚💚💚 o no. Die Ärzte wieder. Ja, die sichern sich so gut es geht ab. Hatte zuletzt eine Hausgeburt und der Unterschied ist echt enorm. Eine einfühlsame Hebamme hätte ich dir gewünscht. Ich hoffe, die Geburt geht schnell los. Eine Kaisergeburt wäre noch eine Idee.

    Und mach dir keinen Kopf, weil du explodiert bist. Auch wir Mamis müssen das mal.

  2. Puh. Das ist aber auch viel alles. Völlig nachvollziehbar dann auch mal zu explodieren! Hast du denn eine einfühlsame Hebamme die dich ein bisschen erden und auffangen kann?
    Habe hier auch so ein anhängliches und Mama bezogenes Kind. Ich weiß noch, daß ich um die Geburt des geschwisterchen angefangen habe sie Abends vorm schlafen gehen, oder wenn das Nähe Bedürfnis besonders groß war, zu massieren. Das wurde dann einige Monate lang unser Ritual zum ganz intensiv Mama tanken. Da spielen und toben etc hochschwanger bzw mit Baby nicht mehr so einfach umzusetzen ist, war daß unsere Rettung. Das nur Mama Problem hat sich dadurch zwar nicht gelöst, aber sie war deutlich ausgeglichener und konnte besser damit umgehen, wenn ich meinen Freiraum eingefordert habe. Wünsche dir bzw euch ganz viel Kraft für die kommenden Wochen.💪🍀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s