Kosten und Krankenkassen

Bei der Behandlung der ungewollten Kinderlosigkeit gibt es je nach Ursache unterschiedliche Methoden, die unterschiedlich aufwändig sind und entsprechend auch unterschiedlich viel kosten. Dabei muss zunächst gar nicht unbedingt eine Befruchtung von Eizellen außerhalb des Körpers zur Anwendung kommen. Auch Methoden wie Geschlechtsverkehr zum Eisprung oder Inseminationen sind eventuell Erfolg versprechend.

Seit dem 1.1.2004 werden die Kosten für Kinderwunsch-Behandlungen (“künstliche Befruchtung”) bei gesetzlich Versicherten für einige bzw. die meisten Leistungen nicht mehr voll übernommen. Seit 2012 gibt es jedoch auch einige Krankenkassen welche unter bestimmten Voraussetzungen auch bis zu 100% übernehmen.

Grundsätzlich wird die komplette Diagnostik der Kinderlosigkeit von den Krankenkassen ohne Einschränkung übernommen. Dabei ist es egal ob man Diagnostik beim Urologen, beim Frauenarzt oder direkt in einer Kinderwunschklinik durchführen lässt. Alle Kosten die im Vorfeld entstehen, wenn sich ein Paar bei einem Arzt vorstellt um sich zu informieren und um die möglichen Behandlungen zu besprechen, werden von der Kasse getragen. Hormonbehandlungen, welche ausschließlich zur Verbesserung der Eizellreifung gegeben werden (GVnP) und nicht in Vorbereitung auf eine Maßnahme der „künstlichen Befruchtung“ dienen werden ebenfalls komplett übernommen. Beides fällt weder unter Altersgrenzen noch muss man dafür verheiratet sein.

Benötigt man darüber hinaus zusätzlich Behandlungen bei unerfülltem Kinderwunsch fallen Kosten an. Inseminationen im nicht stimulierten Zyklus (max 8 Versuche), Insemination mit stimuliertem Zyklus (max 3 Versuche), In-Vitro oder ICSI Behandlung (max 3 Versuche) werden von den gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich zu 50% übernommen. Dabei kann man zunächst je nach Befund mit 8 Inseminationen ohne Hormone (im natürlichen Zyklus) beginnen, später auf Inseminationen mit Hormongaben (mit Stimulation) wechseln und anschließend auch auch IVF oder ICSI. Jedoch bekommt man bei IVF und ICSI dann nur insgesamt 3 Versuche (wer also nach 2 Versuchen IVF auf ICSI wechselt bekommt nur noch eine ICSI zu 50% bezahlt) genehmigt. Für diese Behandlungen müssen die Patienten eine Eigenleistung von 50% der entstandenen Kosten (Medikamentenkosten, Arzthonorar, Laborkosten) erbringen. Bei einer Insemination sind das ca 150-500 Euro (je nachdem ob mit oder ohne hormonelle Stimulation), bei einer IVF oder ICSI variiert dieser Eigenanteil zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Die Unterschiede bei den Behandlungskosten ergeben sich vor allem durch die

Medikamente – die konkret anfallenden Kosten sind schwer vorhersagbar, da es nicht zuletzt auch von der Art und der Menge der verwendeten Medikamente abhängt.

Für diese Maßnahmen muß zuvor bei der zuständigen gesetzlichen Krankenkasse ein Behandlungsplan mit Nennung der vermutlich entstehenden Kosten zur Genehmigung eingereicht werden. Dieser Plan wird den Patienten von der Kinderwunschklinik mitgegeben und von diesen an die Krankenkasse weiter geleitet. Man bekommt diesen Plan dann von der Krankenkasse unterschrieben zurück und leitet ihn an die KiWu-Praxis zurück. Für jede Art der Behandlung muss ein neuer Plan eingereicht werden, d.h. wer zunächst einen Plan für Insemination ohne Hormone einreicht und von der Krankenkasse 8 Versuche genehmigt bekommt, später jedoch auf In-Vitro wechseln möchte, muß für die Behandlung der IVF einen neuen Behandlungsplan einreichen. Außerdem muss nach einem Jahr ein Folgebehandlungsplan beantragt werden, die Genehmigungen laufen nach einem Jahr aus.

Die Kosten werden nur bei verheirateten Paaren übernommen. Ehefrau und Ehemann müssen vor Therapiebeginn das 25. Lebensjahr vollendet haben. Die Ehefrau darf bei Therapiebeginn das 40., der Mann das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Es spielt dabei keine Rolle ob man schon ein Kind hat oder nicht. Nach erfolgreicher Behandlung und Geburt eines Kindes werden erneut die Kosten für weitere Versuche übernommen. Nach Eintritt einer Schwangerschaft und Fehlgeburt wird der Versuch „gutgeschrieben“, d.h. man bekommt meist einen weiteren neuen Versuch, dafür muss jedoch eine Schwangerschaft bestätigt worden sein (Mutterpass, Ultraschall). Weitere Richtlinien der gesetzlichen Krankenkassen: nur Eizellen und Spermien des Paares dürfen verwendet werden, beide Partner müssen HIV-negativ sein, die Frau muss ausreichenden Rötelnschutz haben, die Behandlung darf nur auf Überweisung erfolgen.

Bei verheirateten Paaren sind die Kosten einer Kinderwunschbehandlung steuerlich absetzbar, nicht jedoch bei unverheirateten Paaren. Man kann bei der Einkommenssteuer alle anfallenden Kosten (Behandlung, Fahrt- und Parkgebühren, Portokosten für Briefe zur Krankenkasse u.ä.) unter dem Punkt „außergewöhnliche Belastungen“ absetzen.

Neben den genannten Maßnahmen gibt es viele (zusätzliche) Behandlungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden. Dazu gehören Assisted hatching, das Einfrieren von Eizellen oder Spermien (Kryokonservierung), Insemination/IVF mit Spermien eines Spenders, Operative Entnahme von Spermien aus dem Hoden (TESE), Refertilisierung (auch beim Mann), Polkörperdiagnostik (PKD), die Anwendung von Embryo-Glue oder ein spezielles PN-Scoring.

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